Warum diese Arbeit

Ein Grab ist ein Ort der Begegnung

Auf vielen Friedhöfen in Deutschland liegen Menschen aus Polen, die im Zweiten Weltkrieg zur Arbeit hierher verschleppt wurden oder als Kriegsgefangene und Häftlinge hier starben – oft jung, oft weit weg von ihren Familien. Viele dieser Gräber sind heute kaum noch bekannt, manche wurden im Lauf der Jahrzehnte aufgelöst.

In Polen stellen Familien bis heute dieselben Fragen: Wo liegt mein Großvater? Wo wurde das Kind begraben, von dem nur ein Name geblieben ist? Ostoja Pamięci sucht Antworten auf diese Fragen.

Ich verstehe meine Arbeit nicht als Anklage. Wer die Gräber der Opfer kennt und bewahrt, schafft einen Ort, an dem Polen und Deutsche gemeinsam erinnern können. Gerade auf den Friedhöfen mitten in den Gemeinden wird Versöhnung konkret: durch einen Namen auf einer Tafel, eine gepflegte Grabstätte, eine Kerze zu Allerheiligen.

Weg zum Friedhof in Gantenwald
Der Weg zum Friedhof in Gantenwald, fotografiert bei den ersten Recherchen 2017. Hier hat meine Arbeit begonnen.

Erinnern · Versöhnen · Helfen

Drei Gedanken, die meine Arbeit seit 2017 leiten.

  • Erinnern

    Jeder Mensch hat einen Namen. Ich stelle Namen, Lebensdaten und Grabstätten aus Archivquellen zusammen und mache sie öffentlich zugänglich – sorgfältig und mit Angabe der Quelle.

  • Versöhnen

    Ich arbeite mit deutschen Gemeinden, Friedhofsverwaltungen und Archiven zusammen – mit Respekt vor der gemeinsamen Geschichte und mit Dank für jede Hilfe vor Ort.

  • Helfen

    Familien in Polen und in aller Welt finden über die Datenbank Spuren ihrer Angehörigen. Für manche ist es die erste Nachricht seit Jahrzehnten.

Wie ich arbeite

Ein Archivdokument ist für mich der Anfang der Suche, nicht ihr Ende. Wo es möglich ist, gleiche ich es mit den Friedhofsunterlagen, den Auskünften der Behörden und dem heutigen Zustand des Grabes ab.

  1. Archivrecherche

    Auswertung von Dokumenten über Schicksal, Tod und Bestattung polnischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, unter anderem aus den Arolsen Archives.

  2. Anfrage bei den Behörden

    Schriftlicher Austausch mit Gemeinden, Städten, Friedhofsverwaltungen und Archiven.

  3. Dokumentation vor Ort

    Besuche auf den Friedhöfen und fotografische Dokumentation der Grabstätten.

  4. Veröffentlichung

    Geprüfte Angaben erscheinen in der Datenbank. Gesichertes wird klar von Vermutungen getrennt, und der Zustand jedes Grabes wird mit seiner Quelle festgehalten.

Orte, Friedhöfe und Behörden stehen in der Datenbank immer in der amtlichen deutschen Schreibweise. Die übrigen Texte sind überwiegend auf Polnisch, weil sich die Seite vor allem an die Familien in Polen richtet.

Stand der Dokumentation

Stand: Oktober 2026. Die Datenbank wächst mit jeder Antwort einer Gemeinde und jedem Hinweis einer Familie.

  • 8.004Personen in der Datenbank
  • 395Gemeinden und Städte
  • 6Bundesländer

Baden-Württemberg · Hessen · Bayern · Nordrhein-Westfalen · Niedersachsen · Thüringen

„Kein symbolischer Gedenkstein ersetzt ein wirkliches Grab und einen konkreten Ort der Bestattung.“